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Tierarzt entnimmt einem Pferd Blut für einen Coggins-Test zur EIA-Diagnose
  • Joachim Sieben
  • Pferd

Equine infektiöse Anämie (EIA): Die unterschätzte Gefahr für Pferde

Unter Pferdebesitzern ist sie weniger bekannt als andere Krankheiten – und doch zählt die Equine infektiöse Anämie (EIA), auch ansteckende Blutarmut der Einhufer genannt, zu den gefährlichsten Erkrankungen, die ein Pferd treffen können. Sie verläuft heimtückisch, ist nicht heilbar und endet früher oder später tödlich. In diesem Beitrag erfahren Sie, was hinter der EIA steckt, wie sie übertragen wird, woran Sie sie erkennen und wie Sie Ihr Pferd bestmöglich schützen.

Was ist die Equine infektiöse Anämie?

Die Equine infektiöse Anämie ist eine durch ein Virus ausgelöste Erkrankung des Blutes und der blutbildenden Organe. Betroffen sind ausschließlich Pferde und andere Einhufer wie Esel und Maultiere. Die gute Nachricht für alle, die im Stall arbeiten: Das Virus ist weder auf andere Tierarten noch auf den Menschen übertragbar. Es stellt also keine Gefahr für Hund, Katze oder den Pferdehalter dar.

Für das Pferd selbst ist eine Infektion jedoch fatal. Das Virus greift die roten Blutkörperchen an und führt zu einer fortschreitenden Blutarmut (Anämie). Ist ein Tier einmal infiziert, bleibt es lebenslang Virusträger – eine Heilung gibt es nicht. Aus diesem Grund ist die EIA in Deutschland eine anzeigepflichtige Tierseuche, deren Auftreten den Behörden gemeldet werden muss.

Die stille Gefahr: symptomfreie Virusträger

Besonders tückisch macht die EIA, dass nicht jedes infizierte Pferd auch krank wirkt. Viele Tiere tragen das Virus in sich, ohne erkennbare Symptome zu zeigen. Diese scheinbar gesunden Pferde sind die größte Gefahr für einen ganzen Bestand: Unbemerkt verbreiten sie das Virus weiter und stecken andere Einhufer an, bevor überhaupt jemand ahnt, dass eine Infektion vorliegt. Genau deshalb ist eine gezielte Diagnostik so wichtig – das bloße Aussehen eines Pferdes sagt nichts über seinen Infektionsstatus aus.

Wie wird das Virus übertragen?

Die Übertragung der EIA erfolgt in erster Linie über virushaltiges Blut. Die Hauptüberträger sind blutsaugende Insekten – allen voran Bremsen und Stechmücken. Wenn ein solches Insekt zunächst an einem infizierten und dann an einem gesunden Pferd Blut saugt, kann es das Virus übertragen. Aus diesem Grund tritt die Krankheit weltweit gehäuft in Feuchtgebieten auf, wo Insekten besonders zahlreich vorkommen.

Direkte Kontaktinfektionen von Pferd zu Pferd sind dagegen seltener. Eine Übertragung ist außerdem über verunreinigte Instrumente, Nadeln, Spritzen oder Zaumzeug möglich, an denen infiziertes Blut haftet. Auch über die Stute auf das Fohlen kann das Virus weitergegeben werden.

Was die EIA so schwer kontrollierbar macht, ist die Widerstandsfähigkeit des Virus außerhalb des Körpers. In getrocknetem Blut bleibt es bis zu acht Monate lang infektionsfähig. In frischem Mist überlebt es etwa zwei Monate, und selbst im gepackten Misthaufen ist es noch rund einen Monat ansteckend. Diese Langlebigkeit erschwert die Eindämmung erheblich und unterstreicht, wie wichtig konsequente Hygiene ist.

Welche Symptome treten auf?

Hat sich ein Pferd infiziert, kann es bis zu sechs Wochen dauern, bevor erste Krankheitsanzeichen auftreten. Diese sind oft unspezifisch und können leicht mit anderen Erkrankungen verwechselt werden. Zu den typischen Symptomen gehören:

– Fieber, oft schubweise auftretend
– Schwierigkeiten beim Laufen und allgemeine Schwäche
– Zittern
– angelaufene oder geschwollene Gliedmaßen
– Ödeme (Flüssigkeitsansammlungen)
– blasse Schleimhäute als Folge der Blutarmut

Man unterscheidet einen akuten und einen chronischen Verlauf. Beim chronischen Verlauf erleben die Tiere wiederkehrende Krankheitsschübe, wirken zwischen diesen Episoden jedoch weitgehend normal und gesund. Gerade dieser wechselhafte Verlauf macht es so schwierig, die Krankheit allein anhand des Erscheinungsbildes zu erkennen.

Diagnose: der Coggins-Test

Sicherheit über eine mögliche Infektion gibt nur eine Laboruntersuchung. Der sogenannte Coggins-Test ist die anerkannte Methode, um festzustellen, ob ein Pferd Virusträger ist. Dabei wird eine Blutprobe entnommen und auf Antikörper gegen das EIA-Virus untersucht. Dieser Nachweis ist besonders wichtig bei Pferdekäufen, Turnierteilnahmen und insbesondere bei internationalen Transporten – in vielen Ländern ist ein negatives Coggins-Test-Ergebnis Pflicht, bevor ein Pferd die Grenze überqueren darf.

Wer ein Pferd aus dem Ausland importiert oder selbst mit dem eigenen Pferd reist, sollte sich frühzeitig über die geltenden Bestimmungen informieren. Ein aktueller, negativer Coggins-Test schützt nicht nur das eigene Tier, sondern den gesamten Bestand vor einer möglichen Einschleppung des Virus.

Behandlung und behördliche Maßnahmen

Die ernüchternde Wahrheit lautet: Gegen die Equine infektiöse Anämie gibt es weder eine Impfung noch eine wirksame Behandlung. Eine Therapie ist nicht nur unmöglich, sondern auch nicht erlaubt, da behandelte Tiere lebenslang ansteckend blieben und eine ständige Gefahr für andere Pferde darstellen würden.

Wird bei einem Pferd eine EIA-Infektion festgestellt, müssen die infizierten Tiere daher leider getötet werden. Verdächtige Bestände werden unter Quarantäne gestellt, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Diese harten Maßnahmen mögen drastisch erscheinen, sind aber der einzige Weg, die Seuche einzudämmen und gesunde Pferdebestände zu schützen.

Wie können Sie Ihr Pferd schützen?

Da es keine Heilung gibt, ist Vorbeugung das A und O. Mit diesen Maßnahmen senken Sie das Infektionsrisiko deutlich:

Insektenschutz: Reduzieren Sie die Belastung durch Bremsen und Stechmücken mit Fliegendecken, Masken und geeigneten Repellents. Vermeiden Sie nach Möglichkeit dauerhafte Aufenthalte in stark mückenbelasteten Feuchtgebieten.
Hygiene: Verwenden Sie niemals dieselbe Nadel oder Spritze für mehrere Pferde. Achten Sie auf saubere Instrumente und gemeinsam genutztes Zubehör.
Quarantäne neuer Pferde: Lassen Sie neu zugekaufte oder importierte Tiere mit einem Coggins-Test überprüfen, bevor Sie sie in den Bestand integrieren.
Aufmerksamkeit: Beobachten Sie Ihre Pferde regelmäßig und ziehen Sie bei unklarem Fieber oder Schwäche frühzeitig den Tierarzt hinzu.

Fazit

Die Equine infektiöse Anämie ist eine ernste, unheilbare und anzeigepflichtige Tierseuche, die jeden Pferdebesitzer wachsam machen sollte. Ihre Heimtücke liegt in den oft symptomfreien Virusträgern, die das Virus unbemerkt weitergeben, sowie in der langen Überlebensfähigkeit des Erregers in der Umwelt. Da es weder Impfung noch Behandlung gibt, bleibt einzig die Vorbeugung: konsequenter Insektenschutz, strikte Hygiene und der gezielte Einsatz des Coggins-Tests, besonders bei Zukauf und Transport. So leisten Sie einen wichtigen Beitrag zum Schutz Ihres Pferdes und der gesamten Pferdegemeinschaft.

Vorbeugen ist die einzige Medizin, die es gegen die ansteckende Blutarmut gibt.

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Kommentare

  • Helmut 26.06.2026
    TEST

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