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Katze kratzt sich am Hals, mögliches Anzeichen für eine Allergie
  • Joachim Sieben
  • Katze

Katzenallergie: Wenn die Katze selbst zur Allergikerin wird

Beim Stichwort „Katzenallergie“ denken die meisten Menschen sofort an juckende Augen, eine laufende Nase oder Niesattacken – an Symptome also, die Menschen befallen, sobald sie mit Katzenhaaren in Kontakt kommen. Doch was viele nicht wissen: Auch die Katze selbst kann unter Allergien leiden. Und diese können nicht nur lästig, sondern im Extremfall sogar lebensbedrohlich sein. Oft beginnt eine solche Allergie scheinbar aus heiterem Himmel – ein Tier, das jahrelang beschwerdefrei lebte, entwickelt plötzlich Symptome.

Wie entsteht eine Allergie bei Katzen?

Eine Allergie ist eine überschießende Reaktion des Immunsystems auf eigentlich harmlose Stoffe, die sogenannten Allergene. Das Immunsystem stuft diese Stoffe fälschlicherweise als gefährlich ein und löst eine Abwehrreaktion aus. Bei Katzen kann sich diese Überempfindlichkeit zu jedem Zeitpunkt im Leben entwickeln. Häufig zeigt sich eine Allergie erst nach wiederholtem Kontakt mit dem Auslöser – das Tier wird also über einen gewissen Zeitraum „sensibilisiert“, bevor die ersten Symptome auftreten. Das erklärt, warum eine Katze auch nach Jahren plötzlich allergisch auf etwas reagiert, das ihr zuvor nie Probleme bereitet hat.

Die häufigsten Allergieauslöser

Bei Katzen unterscheidet man im Wesentlichen vier große Gruppen von Allergien:

Flohspeichelallergie: Dies ist eine der häufigsten Allergien bei Katzen. Dabei reagiert das Tier nicht auf den Flohbiss selbst, sondern auf bestimmte Eiweißstoffe im Speichel des Flohs. Schon ein einziger Stich kann bei sensibilisierten Katzen heftigen Juckreiz auslösen. Betroffene Tiere kratzen, lecken und beißen sich oft so stark, dass kahle, entzündete Stellen entstehen – vor allem im Bereich des Rückens und der Schwanzwurzel.

Futtermittelallergie: Hier reagiert die Katze auf bestimmte Bestandteile ihres Futters, meist auf tierische Eiweiße wie Rind, Huhn oder Fisch. Interessanterweise entwickeln Katzen Futtermittelallergien häufig gegen Zutaten, die sie schon lange fressen. Die Symptome reichen von Hautproblemen über Juckreiz bis hin zu Verdauungsstörungen wie Erbrechen und Durchfall.

Atopische Dermatitis (Umweltallergie): Dabei reagiert die Katze auf Allergene aus der Umwelt wie Pollen, Hausstaubmilben, Schimmelsporen oder bestimmte Pflanzen. Diese Form der Allergie kann saisonal auftreten – etwa zur Pollenzeit – oder das ganze Jahr über bestehen.

Kontaktallergie: Seltener, aber ebenfalls möglich, ist eine allergische Reaktion auf Stoffe, mit denen die Katze direkten Hautkontakt hat. Dazu gehören etwa bestimmte Reinigungsmittel, Kunststoffe in Futternäpfen oder auch manche Katzenstreusorten.

Symptome erkennen

Die Anzeichen einer Allergie sind vielfältig und nicht immer eindeutig der richtigen Ursache zuzuordnen. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

Anhaltender Juckreiz ist das mit Abstand häufigste Zeichen. Die Katze kratzt sich übermäßig, leckt sich ständig oder beißt in ihr Fell. Häufig betroffen sind Kopf, Hals und der Bereich rund um die Ohren. In der Folge können kahle Stellen, gerötete Haut, Schuppen, Krusten oder sogar offene, entzündete Wunden entstehen. Manche Katzen entwickeln kleine, krustige Knötchen auf der Haut.

Bei Futtermittelallergien kommen oft Verdauungsprobleme hinzu: Erbrechen, Durchfall oder Blähungen. Auch wiederkehrende Ohrentzündungen können ein Hinweis sein. Bei Umweltallergien zeigen sich gelegentlich Symptome wie tränende Augen, Niesen oder asthmaähnliche Atembeschwerden.

In seltenen, aber ernsten Fällen kann es zu einer anaphylaktischen Reaktion kommen – etwa nach einem Insektenstich oder einer Impfung. Diese äußert sich durch plötzliche Schwellungen, Atemnot, Erbrechen, Kreislaufschwäche oder Schock. Eine solche lebensbedrohliche Reaktion erfordert sofortiges tierärztliches Eingreifen.

Die Diagnose – oft ein langer Weg

Eine Allergie bei der Katze zu diagnostizieren, ist nicht immer einfach, denn viele Symptome überschneiden sich mit anderen Erkrankungen. Der erste Schritt führt daher immer zum Tierarzt. Dieser wird zunächst andere mögliche Ursachen wie Parasitenbefall, Pilzinfektionen oder hormonelle Störungen ausschließen.

Bei Verdacht auf eine Futtermittelallergie kommt häufig eine sogenannte Ausschlussdiät zum Einsatz. Dabei erhält die Katze über mehrere Wochen ein spezielles Futter mit einer einzigen, neuartigen Eiweißquelle, die sie zuvor nie gefressen hat. Bessern sich die Symptome, wird durch schrittweise Wiedereinführung einzelner Zutaten der konkrete Auslöser ermittelt. Dieser Prozess erfordert Geduld und Konsequenz – schon kleine „Sünden“ können das Ergebnis verfälschen.

Zur Abklärung von Umweltallergien stehen Bluttests und Hauttests zur Verfügung, die jedoch nicht immer eindeutige Ergebnisse liefern.

Behandlung und Hilfe für die Katze

Die wichtigste Maßnahme bei jeder Allergie ist, den Auslöser möglichst zu vermeiden. Bei einer Flohspeichelallergie bedeutet das eine konsequente Floh- und Parasitenprophylaxe – das ganze Jahr über. Bei einer Futtermittelallergie muss die problematische Zutat dauerhaft aus dem Speiseplan gestrichen werden. Bei Umweltallergien ist die Vermeidung naturgemäß schwieriger, lässt sich aber durch regelmäßiges Reinigen, das Reduzieren von Staub und in manchen Fällen durch Luftfilter unterstützen.

Zur Linderung der Symptome kann der Tierarzt verschiedene Medikamente verschreiben, etwa entzündungshemmende Wirkstoffe oder spezielle Präparate, die das überaktive Immunsystem regulieren. In bestimmten Fällen ist auch eine Hyposensibilisierung möglich, bei der die Katze schrittweise an das Allergen gewöhnt wird, um die Reaktion abzuschwächen. Begleitend können hautpflegende Maßnahmen und die Gabe von Omega-3-Fettsäuren die Haut stärken.

Was Sie als Halterin oder Halter tun können

Beobachten Sie Ihre Katze aufmerksam. Verändert sich ihr Verhalten, kratzt sie sich ungewöhnlich häufig oder verliert sie an bestimmten Stellen Fell, sollten Sie diese Veränderungen ernst nehmen und tierärztlichen Rat einholen. Je früher eine Allergie erkannt wird, desto besser lässt sie sich behandeln und desto eher können dauerhafte Hautschäden vermieden werden.

Führen Sie ein kleines Tagebuch über die Symptome: Wann treten sie auf? Gibt es einen Zusammenhang mit dem Futter, der Jahreszeit oder bestimmten Aktivitäten? Diese Informationen sind für den Tierarzt äußerst wertvoll bei der Ursachensuche.

Fazit

Eine Katzenallergie ist keineswegs nur ein Problem des Menschen – auch unsere Samtpfoten können unter Überempfindlichkeiten leiden. Da die Symptome von leichtem Juckreiz bis zu lebensbedrohlichen Reaktionen reichen, ist Aufmerksamkeit gefragt. Mit einer sorgfältigen Diagnose, dem konsequenten Vermeiden der Auslöser und einer auf das Tier abgestimmten Behandlung lässt sich die Lebensqualität betroffener Katzen jedoch in den allermeisten Fällen deutlich verbessern. Wer die Signale seines Tieres ernst nimmt und frühzeitig handelt, hilft seiner Katze, trotz Allergie ein glückliches und beschwerdearmes Leben zu führen.

Eine Katze kann ihre Beschwerden nicht in Worte fassen – umso wichtiger ist es, dass wir ihre Signale verstehen.

Wenn die Samtpfote plötzlich allergisch reagiert

Allergien sind längst nicht nur ein menschliches Problem. Auch Katzen können überempfindlich auf bestimmte Stoffe reagieren – manchmal mit dramatischen Folgen.

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