Sommerekzem beim Pferd: Ursachen erkennen, lindern und vorbeugen
Kaum steigen die Temperaturen, beginnt für viele Pferdebesitzer eine schwierige Zeit: Ihre Tiere scheuern sich Mähne und Schweif blutig, zeigen kahle Stellen und sind sichtlich unruhig. Die Ursache ist häufig das sogenannte Sommerekzem – eine der häufigsten Hauterkrankungen beim Pferd. In diesem Beitrag erfährst du, was hinter dem lästigen Juckreiz steckt, wie du die Symptome erkennst und mit welchen Maßnahmen du deinem Pferd den Sommer erleichtern kannst.
Was ist Sommerekzem?
Das Sommerekzem ist eine allergische Reaktion der Pferdehaut auf den Speichel von stechenden Insekten – allen voran die Kriebelmücke (Culicoides) und Gnitzen. Beim Stich gibt das Insekt Speichel ab, auf dessen Eiweißbestandteile das Immunsystem überempfindlicher Pferde mit einer heftigen Entzündungsreaktion antwortet. Das Ergebnis ist ein quälender Juckreiz, der die Tiere zum permanenten Scheuern zwingt.
Typischerweise tritt die Erkrankung saisonal von Frühjahr bis Herbst auf, also genau dann, wenn die Insekten am aktivsten sind. In den Wintermonaten klingen die Symptome meist von selbst ab. Mit jedem Jahr kann sich das Ekzem jedoch verschlimmern, da die Sensibilisierung zunimmt.
Welche Pferde sind besonders betroffen?
Grundsätzlich kann jedes Pferd ein Sommerekzem entwickeln, doch bestimmte Rassen gelten als besonders anfällig. Dazu zählen vor allem Islandpferde, Friesen, aber auch Haflinger und andere Robustrassen. Bei Islandpferden zeigt sich, dass in Island geborene Tiere, die erst später nach Mitteleuropa importiert werden, deutlich häufiger erkranken – sie hatten in ihrer Heimat keinen Kontakt zu Kriebelmücken und sind daher nicht an deren Speichel gewöhnt.
Auch eine genetische Veranlagung spielt eine Rolle. Stammen Elterntiere aus Linien mit Ekzemproblemen, ist das Risiko für den Nachwuchs erhöht. Hinzu kommen Faktoren wie Standort des Stalls (Nähe zu Gewässern, feuchten Wiesen), allgemeiner Gesundheitszustand und Stress.
Symptome erkennen
Die ersten Anzeichen eines Sommerekzems sind oft subtil, verstärken sich aber rasch. Typische Symptome sind:
Starker Juckreiz: Das Pferd scheuert sich an Zäunen, Bäumen oder Boxenwänden, oft bis zum Wundscheuern. Besonders betroffen sind Mähnenkamm, Schweifrübe, Bauchnaht und Ohren.
Haarverlust: Durch das ständige Scheuern entstehen kahle, schuppige Stellen. Mähne und Schweif können regelrecht ausgerupft wirken.
Hautveränderungen: Die betroffene Haut ist gerötet, verdickt, nässt oder bildet Krusten. Bei chronischem Verlauf wird die Haut ledrig und faltig.
Unruhe und Nervosität: Der quälende Juckreiz raubt den Tieren die Ruhe, sie sind reizbar und teilweise schwer zu händeln.
Offene Scheuerstellen sind zudem eine Eintrittspforte für Bakterien, sodass es schnell zu Sekundärinfektionen kommen kann.
Vorbeugen ist die beste Medizin
Da das Sommerekzem nicht heilbar ist, steht die Vorbeugung im Mittelpunkt. Ziel ist es, den Kontakt mit den auslösenden Insekten so weit wie möglich zu reduzieren.
Ekzemerdecken: Eine spezielle, eng anliegende Ekzemerdecke mit Hals- und Bauchteil ist der wirksamste Schutz. Sie hält die Mücken zuverlässig fern und sollte am besten von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang getragen werden – genau in der Zeit, in der die Kriebelmücken am aktivsten sind.
Stallmanagement: Kriebelmücken fliegen vor allem in der Dämmerung. Bringe dein Pferd in dieser Zeit in den Stall und nutze Insektengitter an Fenstern und Türen. Ventilatoren helfen ebenfalls, da Mücken keinen Luftzug mögen.
Weidewahl: Vermeide Weiden in der Nähe von stehenden Gewässern, Tümpeln oder feuchten Senken, wo sich die Insekten besonders gerne aufhalten. Höher gelegene, windige Flächen sind deutlich günstiger.
Insektenschutzmittel: Spezielle Repellents für Pferde können den Schutz ergänzen. Sie müssen jedoch regelmäßig aufgetragen werden, da ihre Wirkung nachlässt.
Behandlung und Pflege
Ist das Ekzem bereits ausgebrochen, gilt es, den Juckreiz zu lindern und die Haut bei der Regeneration zu unterstützen. Pflegende Lotionen, Gele und Sprays auf Basis von Zink, Aloe Vera, Schwarzkümmelöl oder Teebaumöl können die gereizte Haut beruhigen. Wichtig ist, die betroffenen Stellen sauber zu halten und vorsichtig zu pflegen.
Bei starkem Juckreiz oder ausgeprägten Entzündungen solltest du unbedingt deinen Tierarzt hinzuziehen. Dieser kann entzündungshemmende Salben, in schweren Fällen auch kortisonhaltige Präparate verordnen. Bei Sekundärinfektionen ist mitunter eine antibiotische Behandlung nötig.
Auch die Fütterung kann unterstützend wirken: Eine ausgewogene, an Mineralstoffen reiche Ernährung stärkt die Hautbarriere. Zusatzfuttermittel mit Zink, Biotin und essenziellen Fettsäuren (etwa aus Leinöl) werden häufig empfohlen, um die Hautgesundheit zu fördern.
Den Juckreiz langfristig in den Griff bekommen
Ein konsequentes Management über die gesamte Saison ist der Schlüssel zum Erfolg. Wer früh im Jahr – schon vor dem ersten Insektenflug – mit Decke und Schutzmaßnahmen beginnt, verhindert oft, dass es überhaupt zu starken Symptomen kommt. Denn ist die Haut erst einmal aufgescheuert, ist die Behandlung deutlich aufwendiger.
Manche Halter machen gute Erfahrungen mit ergänzenden Ansätzen wie Bachblüten, Kräutermischungen oder einer gezielten Stärkung des Immunsystems. Auch wenn die wissenschaftliche Datenlage hierzu unterschiedlich ist, lohnt sich die Beobachtung des individuellen Pferdes – jedes Tier reagiert anders.
Kosten im Blick behalten
Die Behandlung eines Sommerekzems kann über die Jahre ins Geld gehen: Ekzemerdecken, Pflegeprodukte, Zusatzfutter und Tierarztbesuche summieren sich. Kommt es zu Komplikationen wie tiefen Hautinfektionen, können auch umfangreichere Behandlungen notwendig werden. Eine gute Pferdekrankenversicherung oder eine OP-Versicherung kann hier finanziell entlasten und gibt dir die Sicherheit, deinem Pferd jederzeit die beste Versorgung zukommen zu lassen.
Fazit
Das Sommerekzem ist zwar nicht heilbar, aber mit konsequentem Insektenschutz, guter Hautpflege und einem durchdachten Stall- und Weidemanagement lässt es sich gut kontrollieren. Je früher du im Jahr mit den Schutzmaßnahmen beginnst, desto entspannter wird der Sommer für dich und dein Pferd. Beobachte dein Tier aufmerksam, reagiere bei den ersten Anzeichen und scheue dich nicht, deinen Tierarzt um Rat zu fragen. So kann auch ein ekzemgeplagtes Pferd die warme Jahreszeit unbeschwert auf der Weide genießen.
Ein Pferd ist der Spiegel deiner Seele – und seine Haut der Spiegel seiner Pflege.
Wenn der Sommer für Pferde zur Qual wird
Juckreiz, kahle Stellen und blutig gescheuerte Mähnen – Sommerekzem ist für betroffene Pferde eine echte Belastung. Mit dem richtigen Wissen kannst du deinem Vierbeiner helfen.
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