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Katze putzt ihr Fell mit der Zunge und schluckt dabei lose Haare
  • Joachim Sieben
  • Katze

Haarballen bei Katzen: Ursachen, Risiken und was wirklich hilft

Das war mal wieder fällig: Im passenden Augenblick, wenn die Wohnung frisch geputzt ist oder man Gäste erwartet, taucht ein merkwürdig aussehender, länglicher, mehr oder weniger nasser „Gegenstand“ auf dem Boden auf – gerne so platziert, dass man entweder hineintritt oder der Teppich einen Flecken mehr hat. Wer eine Katze hat, kennt dieses kleine Ärgernis nur zu gut. Doch was uns Menschen nervt, ist für die Katze ein völlig natürlicher und sogar notwendiger Vorgang.

Wie entstehen Haarballen überhaupt?

Haarballen entstehen bei der Fellpflege. Mit ihrer rauen Zunge, die mit kleinen Widerhaken besetzt ist, kämmt die Katze lose Haare aus ihrem Fell und schluckt sie dabei hinunter. Handelt es sich nur um einzelne Haare, werden diese in der Regel ohne Probleme über den Verdauungstrakt wieder ausgeschieden. Gelangen jedoch sehr viele Haare in den Magen, klumpen sie zu einem Ballen zusammen. Ab einer gewissen Größe löst dieser Ballen einen Würgereflex aus, und die Katze wird ihn durch Erbrechen wieder los.

Besitzer von Freigängern bekommen davon meist nur wenig mit, denn diese Katzen entsorgen ihre Haarballen in der Regel draußen im Garten oder auf ihren Streifzügen. Deutlich leidgeprüfter sind die Halter reiner Wohnungskatzen, die immer wieder auf diese unliebsamen Hinterlassenschaften stoßen – oft genau dort, wo man am wenigsten damit rechnet.

Sind Haarballen gefährlich?

Grundsätzlich sind Haarballen zunächst nicht gefährlich, sondern ein ganz normaler Teil der Katzenphysiologie. Das Hochwürgen ist der natürliche Weg, überschüssige Haare wieder loszuwerden. Kritisch kann es allerdings werden, wenn die Katze auf einmal sehr viele Haare aufnimmt oder wenn sie diese auf den üblichen Wegen nur schwer wieder ausscheiden kann.

In seltenen Fällen kann ein zu großer Haarballen zu einer Entzündung der Magenschleimhaut oder sogar zu einem Darmverschluss führen. Anzeichen dafür sind unter anderem:

  • häufiges, erfolgloses Würgen ohne dass etwas hochkommt,
  • anhaltende Fressunlust,
  • Verstopfung oder unregelmäßiger Kotabsatz,
  • Antriebslosigkeit und ein aufgeblähter Bauch.

Wenn Sie solche Symptome über einen längeren Zeitraum beobachten, sollten Sie unbedingt einen Tierarzt aufsuchen. Ein Darmverschluss ist ein Notfall, der schnell behandelt werden muss.

Wann verlieren Katzen besonders viele Haare?

Nicht jede Katze bildet gleich häufig Haarballen. Es gibt jedoch bestimmte Situationen, in denen der Haarverlust und damit die Haarballenbildung zunimmt:

  • Im Fellwechsel: Im Frühjahr und im Herbst wechselt die Katze ihr Fell. Daher treten in diesen Jahreszeiten deutlich mehr Haarballen auf.
  • Nach Krankheiten: Während einer Erkrankung putzen sich Katzen oft weniger. Sobald es ihnen besser geht, holen sie die vernachlässigte Fellpflege intensiv nach – und schlucken dabei besonders viele Haare.
  • Bei Hautkrankheiten: Wenn viel Fell ausgeht und die Haut zusätzlich juckt, putzt sich die Katze häufiger und nimmt mehr Haare auf.
  • Bei starkem Stress: Manche Katzen putzen sich bei Anspannung übermäßig, was ebenfalls zu vermehrter Haaraufnahme führt.

Besonders betroffen sind Langhaarkatzen wie Perser oder Türkisch Angora. Ihre langen, weichen Haare lassen sich deutlich schwerer wieder ausscheiden als das kurze Fell anderer Rassen. Diese Katzen brauchen daher besondere Aufmerksamkeit.

Was Sie tun können, um Ihrer Katze zu helfen

Ganz vermeiden lassen sich Haarballen nicht – sie gehören zum Katzenleben dazu. Sie können aber einiges tun, um Ihrer Samtpfote die Sache zu erleichtern und sich selbst das lästige Hinterherputzen zu ersparen.

Regelmäßiges Bürsten

Die wichtigste und wirksamste Maßnahme ist regelmäßiges Bürsten. Je mehr lose Haare Sie mit der Bürste entfernen, desto weniger landen im Magen Ihrer Katze. Bei starkem Haarverlust, also besonders während des Fellwechsels im Frühjahr und Herbst, sollten Sie täglich zur Bürste greifen. Langhaarkatzen profitieren von einer regelmäßigen Fellpflege sogar das ganze Jahr über. Für viele Katzen wird das Bürsten mit etwas Geduld sogar zu einem angenehmen Ritual und stärkt die Bindung zwischen Mensch und Tier.

Katzengras anbieten

Auch Katzengras kann eine große Hilfe sein. Das aufgenommene Grün wird häufig kurz nach dem Fressen wieder hochgewürgt – und dabei kommen oft auch Haare mit ans Tageslicht. Freigänger besorgen sich ihr Grünzeug in der Regel selbst draußen. Wohnungskatzen oder Tiere, die sich überwiegend im Haus aufhalten, sollten dagegen immer Zugang zu frischem Katzengras haben. Das erfüllt gleich zwei Zwecke: Es erleichtert das Ausscheiden der Haare und verhindert, dass die Katze aus Langeweile oder Instinkt an möglicherweise giftigen Zimmerpflanzen knabbert.

Spezielle Hilfsmittel

Im Handel gibt es verschiedene Produkte, die der Katze das Ausscheiden der Haare erleichtern sollen. Dazu zählen etwa Malzpasten, die den Transport der Haare durch den Verdauungstrakt unterstützen, sowie spezielle Futtermittel mit erhöhtem Ballaststoffanteil. Hier gilt: Jede Katze ist anders. Was der einen hilft, muss bei der anderen nicht gleich gut wirken. Probieren Sie in Ruhe aus, was Ihrer Katze am besten bekommt, und ziehen Sie im Zweifel Ihren Tierarzt zurate.

Fazit

Haarballen sind für Katzenbesitzer ein wiederkehrendes Ärgernis, für die Katze selbst aber ein ganz natürlicher Vorgang. In den allermeisten Fällen sind sie harmlos. Wachsam sollten Sie erst dann werden, wenn Ihre Katze häufig erfolglos würgt, nicht mehr frisst oder unter Verstopfung leidet – dann ist der Gang zum Tierarzt ratsam. Mit regelmäßigem Bürsten, frischem Katzengras und bei Bedarf unterstützenden Mitteln lässt sich das Problem jedoch gut in den Griff bekommen. So bleibt Ihrer Katze das unangenehme Würgen erspart und Ihnen die eine oder andere Überraschung auf dem frisch geputzten Boden.

Katzen sind Meister der Selbstpflege – und ihre Besitzer die Leidtragenden der Nebenwirkungen.

Immer mal wieder – der ungeliebte Gruß auf dem frisch geputzten Boden

Haarballen gehören zum Katzenleben dazu. Warum sie entstehen, wann Vorsicht geboten ist und wie Sie Ihrer Katze die Fellpflege erleichtern, lesen Sie hier.

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