Wie Hunde und Kinder sicher zusammen spielen
Erst wird gestreichelt, dann ein wenig gezerrt und am Ende jagen Kind und Hund vergnügt durch Wohnung oder Garten. Solche Szenen gehören zu den schönsten Momenten im Familienalltag mit Hund. Doch bei all dem Spaß drohen auch Gefahren. Von den bis zu 50.000 Verletzungen durch Hundebisse, die in Deutschland pro Jahr behandelt werden müssen, betrifft gut die Hälfte Kinder. Für Hundebesitzer heißt es deshalb: wachsam sein, Grenzen ziehen und sicheres Spielen antrainieren.
Warum gerade Kinder gefährdet sind
Kinder und Hunde sprechen unterschiedliche Sprachen. Was für das Kind ein liebevolles Umarmen ist, kann der Hund als bedrängend und einengend empfinden. Hinzu kommt ein körperliches Problem: Insbesondere Kleinkinder sind mit Gesicht und Hals nicht selten auf gleicher Höhe zur Hundeschnauze. Kommt es zu einem plötzlichen Zuschnappen, können empfindliche und gefährliche Verletzungen entstehen.
Dabei sind es übrigens nicht allein die Hunde, die etwas zu lernen haben. Auch Kinder müssen sich an Regeln halten und zu einem artgerechten Umgang mit ihren felligen Spielkameraden finden. Ein gut sozialisierter Familienhund und ein rücksichtsvolles Kind sind zwei Seiten derselben Medaille – nur zusammen ergeben sie ein sicheres Miteinander.
Hunde verlangen Respekt und Rücksicht
Bringen Sie Ihren Kleinen daher unbedingt bei, Hunde mit dem nötigen Respekt und einer gesunden Portion Vorsicht zu behandeln. Hunde sind Lebewesen und keine Spielzeuge – daher sollten Kinder niemals grob oder hektisch mit ihnen umgehen. Ziehen an Ohren, Rute oder Fell, lautes Kreischen direkt am Ohr oder das Draufsetzen auf den Hund sind tabu. Solche Handlungen können selbst bei einem geduldigen Tier irgendwann eine Abwehrreaktion auslösen.
Das gilt natürlich besonders für fremde Hunde, die vielleicht nicht an das Spielen mit Kindern gewöhnt sind. Kinder sollten lernen, einen unbekannten Hund niemals einfach anzufassen, sondern zuerst den Besitzer zu fragen. Nähert man sich, dann ruhig, von der Seite und mit ausgestreckter Handfläche, nicht von oben über den Kopf.
Situationen, in denen Kinder Abstand halten müssen
Es gibt Momente, in denen selbst der liebste Hund seine Ruhe braucht. In Situationen wie beim Fressen oder wenn Hunde untereinander balgen, sollten Kinder niemals versuchen, mitzumischen oder zu streicheln. Auch schlafende Hunde sind tabu – wird ein Hund abrupt geweckt, kann er erschreckt reagieren. Dasselbe gilt für Hündinnen mit Welpen oder kranke und verletzte Tiere, die schnell gereizt reagieren.
In jeder anderen Lage gilt: wachsam sein und die Situation stets neu bewerten. Statt auf Sätze wie "der will nur spielen" zu vertrauen, sollte man lieber auf seinen gesunden Menschenverstand hören – auch, wenn man dadurch schon mal ein lustiges Spiel unterbricht. Lieber einmal zu oft eingreifen als einmal zu wenig.
Warnsignale des Hundes richtig deuten
Ein Hund beißt fast nie ohne Vorwarnung. Er sendet zahlreiche Signale, die zeigen, dass er sich unwohl fühlt oder überfordert ist. Dazu gehören etwa das Ablecken der eigenen Schnauze, Gähnen in scheinbar entspannten Situationen, das Abwenden des Kopfes oder ein starres Verharren. Sichtbares Weiß in den Augen (das sogenannte "Walauge"), angelegte Ohren, eine eingezogene Rute oder ein tiefes Knurren sind deutliche Stopp-Signale.
Als Eltern sollten Sie diese Zeichen kennen und Ihren Kindern altersgerecht erklären. Knurren ist dabei kein böses Verhalten, für das der Hund bestraft werden dürfte, sondern eine wertvolle Kommunikation. Wird das Knurren unterbunden, lernt der Hund womöglich, direkt und ohne Vorwarnung zuzuschnappen.
Bei Hundebissen: Ruhe bewahren!
Sollte es doch mal zu einem Hundebiss kommen, gilt es Ruhe zu bewahren. Unnötige Panik wird den Hund nur weiter anstacheln. Natürlich ist das sehr schwer für ein Kind, aber im besten Fall sollte es einfach stillhalten und abwarten, bis der Hund das Interesse verloren hat. Das gleiche gilt übrigens fürs Weglaufen: Dadurch werden die Instinkte eines Hundes erst so richtig geweckt und die Situation kann sich noch verschärfen.
Bringen Sie Ihrem Kind daher bei, sich im Zweifel wie ein "Baum" zu verhalten – ruhig stehen bleiben, die Arme eng am Körper und den Blick abwenden. Fällt das Kind zu Boden, sollte es sich wie ein "Stein" zusammenrollen und mit den Händen Nacken und Ohren schützen. Nach einem Biss sollte die Wunde in jedem Fall ärztlich versorgt werden, da durch den Speichel Infektionen entstehen können.
Rückzugsorte und feste Regeln
Generell gilt: Rücksicht und Respekt sind die obersten Richtlinien für Kinder, die mit Hunden zusammenleben oder spielen. So sollten Hundekorb oder -decke als Rückzugsorte betrachtet werden, an denen sich Ihr Familienmitglied mit Fell auch mal vom Lärm der Kleinen und den fordernden Händchen entspannen kann. Dieser Ort ist eine Tabuzone – wer dorthin geht, möchte in Ruhe gelassen werden.
Etablieren Sie außerdem einige einfache Grundregeln: gemeinsame Spielzeiten nur unter Aufsicht, keine wilden Jagd- und Zerrspiele, die den Hund überdrehen lassen, und feste Ruhephasen. Kleinkinder sollten mit Hunden grundsätzlich nie unbeaufsichtigt bleiben – auch nicht für einen kurzen Moment. So werden Hund und Kind zu einem echten Team, und aus dem gemeinsamen Aufwachsen entsteht eine Freundschaft, die beide ein Leben lang prägt.
Der Umgang mit Tieren lehrt Kinder Verantwortung, Respekt und Mitgefühl – ein Leben lang.
Wenn Kind und Hund zu Spielkameraden werden
Streicheln, toben, jagen – das Zusammenspiel von Hund und Kind ist ein Quell großer Freude. Doch damit alles friedlich bleibt, braucht es klare Regeln und wachsame Eltern.
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